Mittwoch, 6. Mai 2015

Des Hungers unsichtbare Narben, Wieviel Kalorien sind genug? II

Die folgenden Tabellen und Grafiken liefern die notwendigen Ergänzungen zu meinem gleichnamigen Blog über den Stand des Hungers in der Welt, auf den Online-Seiten des "der Freitag".

Wendet man die alten FAO- Berechnungsmethoden an, dann sind die Jahrtausendsprünge der Weltgemeinschaft  eher kleine Hupfer. Der Rückgang des mindestens 12 Monate anhaltenden Hungers, fällt viel bescheidener aus, wenn er denn überhaupt stattgefunden hat.


Wenn nicht ein unrealistischer, bewegungsarmer Lebesnstil zur Bemessungsgrundlage genommen wird, sondern ein normaler Lebensstil, mit mittleren Belastungen, dann errechnet sich auch mit den strengen Vorgaben der FAO, dass deutlich mehr als 1 Milliarde Menschen (1,297 Milliarden) dauerhaft hungern. Die Erhebung der FAO, der sich auch die Weltfinanzakteure und fast alle Regierungen anschlossen, umfasste dann immer noch nicht jene weiteren 500- 1000 Millionen Menschen, die mehrfach im Jahr hungern, aber eben nicht über den Zeitraum eines ganzen Jahres. Von essen, was einem gerade Spaß macht, mittlerweile durchaus nicht unüblich in den Industrienationen und in den reichen Anteilen der Gesellschaften der Entwicklungsländer, mit der Folge der Überernährung und der Fettsucht, kann weltweit sowieso nicht geschrieben und geredet werden. (Ausrufezeichen eingefügt und Farbe der oberen Kurve, vom Blogautor geändert)



Der bisher beste, grobe Indikator, um mit einfachen Mitteln den chronischen Hunger unter Kindern und Jugendlichen zu erfassen, ist die Messung der Körperlänge, mit Bezug auf das Entwicklungsalter (Height for age,HAZ). Mit diesem Maß, Bestandteil der Z-scores der WHO (WAZ,WHZ,HAZ) , werden auch die Auswirkungen des Hungers bis ins höhere Kindesalter miterfasst und trennscharf abgebildet, was z.B. mit dem Maß, Gewicht zur Körperlänge und Gewicht bezogen auf das Alter, nicht so gut gelingt.




Diese Grafik zeigt, dass der ernährungsbedingte Kleinwuchs sich auch im 21. Jahrhundert auf sehr hohem Niveau hält. Selbst in den Ländern und Großregionen, die deutliche Fortschritte machten, z.B. in den asiatischen Staaten, liegt der Anteil der durch Hunger kleinwüchsigen Kinder weiterhin bei 20%, einem Fünftel der aufwachsenden Kinder. Das hat nicht nur Auswirkungen auf den Körperbau, sondern auch auf deren Hirnreifung und Hirnentwicklung. Besonders ungünstig schneidet Afrika ab. Besonders die Subsahara-Staaten bleiben auf einem Niveau von 30- 40% chronisch hungernder Kinder und Jugendlicher. Selbst in den entwickelten Staaten hungert jedes 20. Kind chronisch und in Südamerika (LAC), jedes zehnte. (Ausrufezeichen und rote Einkreisung, vom Blogautor eingefügt)
 
Der leider 2014 verstorbene nigerianische Professor und Ernährungswissenschaftler und die Micronutrient Initiative untersuchten spezielle Mangelerscheinungen in einem der Länder mit der höchsten Quote an hungernden Kindern und Müttern, Nigeria. Kein Wunder, dass es, als Teil des versteckten Hungers, an essentiellen Nahrungsbestandteilen ebenso fehlt, wie an den reinen Kalorien.

Die 2003er Empfehlungen der WHO für eine gesunde Ernährung, sind selbst unter unseren Bedingungen, für Familien und Singles mit niedrigen Einkommen nur schwer einzuhalten. Wer kann sich täglich 400g Früchte und vor allem Gemüse leisten? Mit einer der vier, bei uns noch wirklich massenhaft in Supermärkten angebotenen Apfelsorten und den allfälligen Bananen, ist es jedenfalls nicht getan und vor allem im Winter wird es auch richtig teuer.



Zum Vergleich. Gleich alte Kleinkinder, einmal normalwüchisg, dann ausgezehrt und zuletzt kleinwüchsig. Die Kleinwüchsigkeit, ein eminentes Zeichen längerfristigen Hungers, fällt zunächst nicht auf, wenn ältere Kinder wieder ausreichend Nahrung erhalten, obwohl sie die Chronizität und Dauerhaftigkeit des eingetretenen Schadens am besten aufzeigt. (aus: Overview of Nutritional Status of  Nigerians, Dr. Davis Omotola, UNICEF, Presentation at a Seminar “High Quality Proteins: the
Missing link in Development”,Tuesday, 8th March 2011, PROTEA HOTELS, Ikeja, Lagos). (Verfremdung, zum Zwecke des Perönlichkeitsschutzes durch den Blogautor)


 The Lancet, 2013, die UN und die Nutrition Impact Model Study (NIMS),  schätzen, dass weltweit jährlich 3 - 3,15 Millionen Kinder unter 5 Jahren an den Folgen der Unter- und Mangelernährung sterben. The Lancet, Maternal and Child Nutrition, Executive Summary, 2013
 


Eine gefürchtete und häufige Begleiterscheinung des chronischen Hungers, ist die mangelnde Ausreifung des Großhirns. Hier sieht man an einem Neuron die dentritischen und axonalen Aussprossungen, die in der Hirnrinde die einzelnen Neurone in einem dichten Netzwerk verbindet. Neue Verbindungen werden bis zum Ende des Lebens geknüpft, allerdings gehen auch viele alte Kontakte verloren. Unter- und Mangelernährung greifen an den Neuronen selbst, aber auch an den hier nicht dargestellten Versorgungs- und Hüllzellen des ZNS, des peripheren und vegetativen Nervensystems an. So wird die Myelinbildung um periphere Nerven ebenso gehemmt, wie das Sprossen der Dentriten, das Auswachsen der Axone und die direkte Blutversorgung der Nervenbahnen. Kinder die chronischen Hunger leiden, haben auch häufiger Störungen des vegeativen Nervensystems und leiden unter Herzrhythmusstörungen.



Diese Grafik zeigt die lange Dauer der Hirnreifung und Entwicklung und der Gefahr irreversibler Schäden kommt es in den ersten Tausend Tagen oder in den ersten fünf Jahren zu chronischem Hunger oder chronischer Mangelernährung. (Alle Grafiken lassen sich durch Anklicken vergrößern). Besonders gravierend wirkt sich die Triade: Chronischer Hunger/Mangelernährung, fehlende Schulbildung und absolute Armut der Herkunftsfamilie aus. 

 Die britische Ärztezeitung, The Lancet, hat sich lange schon der Bekämpfung des Hungers verschrieben. Ihre Überblicke zum Status sind beispielgebend. 2007/2008 und 2013 widmete die Zeitung ganze wissenschaftliche Artikelserien dem Thema.

Dieses Sammlungen sind jedem Interessierten zu empfehlen. Hier zeigt eine Grafik die gürtelartige, globale Verteilung des ernährungsbedingten Minderwuchses. Afrika und Asien sind die Schwerpunkte. Südamerika hat große Fortschritte gemacht, ebenso die BRIC- Staaten. Schwarze Löcher der Welternährung sind Afghanistan, die Demokratische Republik Kongo und Somalia. Diese Länder geben keine brauchbaren Informationen an die WHO, UNICEF oder die Weltbank. Der Anteil Hungernder ist dort hoch, wie man durch die Arbeit von NGOs weiß.

Was passiert, wenn sich schon die Kindergarten- und Elementarschulkinder nach Armut und Hunger teilen. Die Gesellschaft spaltet sich in jene, die gute Chancen nutzen können und jene, die schon von Geburt an ein schweres Handicap mit sich tragen. Hier wurde das an Ecuadorianischen Kindern mit einem bekannten Bild-Wortschatztest überprüft. Das Ergebnis spricht für sich.


Christoph Leusch

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Doitsch, Doitsch,Deutschland






























Bad Frankenhausen,
Oberkirche






Brienzer Mädchenlied, wird Fallerslebens Vorlage


































 Wartburg (Eisenach), "Lutheraner unter sich?"                                                  


Butzbach, das Haus Friedrich Ludwig Weidigs
  Die Demokratie kommt auch aus den bescheidenen
 Verhältnissen der deutschen Fachwerksprovinz
 "Friede den Hütten, Krieg den Palästen"
            (Der hessische Landbote)                  


       Rosa in der Liederhalle, Frankfurt- Bockenheim, 26.September 1913
       Eine Strafverfolgung war danach wohl unbedingt erforderlich
































Frankfurt, "Fidelio- Weinkeller", Beethoven auf T-Träger, vor Bank


          Deutsche Fidelio- Projekte endeten zu häufig nur in Weinkellern,
          hinter Gewehrläufen und vor Geldhaufen



                                                   























Drachenburg über Königswinter bei Bonn. Der röhrende Hirsch, ein Lieblingsmotiv der Deutschen


            Gutenberg wird restauriert, bevor seine Galaxie im schwarzen Quantenloch verschwindet

Donnerstag, 24. Juli 2014

Privat, schießt auch der Iwan am besten

Kleines Titelbild zum gleichnamigen Blog bei der Wochenzeitung der Freitag.

E.R.Nele, das ist Eva Renée Nele Bode, hatte 2012, im Karmeliterkloster zu Frankfurt am Main eine Werkschau mit einer aktuellen Installation, "Yesterday&Tomorrow" verbunden. Das Schwarzweiß-Foto zeigt einen Ausschnitt der großen und außergewöhnlich nachdenklichen Arbeit.


Christoph Leusch


Mittwoch, 25. Juni 2014

Ebola, mehr als ein Outbreak

Das Ebola- Virus breitet sich in Westafrika aus. Erstmals erreichte eine Epidemiewelle die Hauptstädte Guineas, Liberias und Sierra Leones.

Die folgenden Grafiken dienen zur Illustration meines Non-profit Blogs zum Thema, bei der Wochenzeitung der Freitag. Durch Anklicken der Grafiken lassen diese sich noch leicht vergrößern.


    Skizze zum grundlegenden Aufbau des Ebola-Virus, aus: Feldmann, Ebola- A Growing Thread?, May 7, 2014, updated on May 22, 2014,  at NEJM.org.

Sehr wichtig sind die kelchartigen Glykoprotein- Fortsätze auf der Virenoberfläche. Sie garantieren das Eindringen in die Zielzellen, vermittelt über das sogenannte Niemann-Pick C1 (NPC1) Cholesterol- Transporterprotein. Menschen mit dieser seltenen und schweren Erbkrankheit wären also immun, so wie geklonte, defekt gezüchtete Kleinsäuger, denn ihnen fehlte das funktionelle Transportprotein, an das übrigens auch Hepatitis C- Viren gerne andocken.


   Aus:  Heinz Feldmann und Thomas W. Geisbert, Ebola haemorrhagic fever, in: Lancet, 2011, March 5; 377(9768): 849–862. doi:10.1016/S0140-6736(10)60667-8

Sehr einfache und übersichtliche Skizze, die den (vermuteten) Infektionsweg und die wichtigsten Interaktionen mit dem menschlichen Organismus als Endwirt zeigt. 

            Die aktuell befallenen Regionen, nach dem Fact sheet der CDC/USA

    Die alten Infektionsregionen für Ebola, in Zentralafrika und die aktuellen Gebiete in Kartenskizzen zusammengefasst. Aus: Derek Gatherer, The 2014 Ebola virus disease outbreak in west Africa, Journal of General Virology, Published May 2, 2014 as doi:10.1099/vir.0.067199-0


Mittwoch, 20. November 2013

Schönheit ihr Lieben, hat ihren Preis - I

Hier erscheinen einige Fotos zum gleichnamigen Blog beim "der Freitag". In einer kleinen Serie wird der rein instrumentelle, bürgerliche  Kunstbegriff hinterfragt. Noch immer, lässt sich kaum ein besserer Kronzeuge für eine positive Utopie des Kunstmachens und der Kunstbetrachtung finden, als Joseph Beuys. Sein erweiterter, sozialer und anthropologischer Kunstansatz verbindet den Menschen mit seiner eigenen Natur und bringt ihn wieder näher an das, was grob Umwelt, besser Mitwelt, genannt wird. - Beuys weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Art mit Kunst als Lebensform umzugehen nicht etwa eine Theorie der Realität aufzwingt, sondern Performances, Kunstwerke, Lebensvollzüge erlebt und mit den Sinnen wahrgenommen werden müssen, um eine kraftvolle und tiefe Verbindung herzustellen, die tatsächlich etwas an den Verhältnissen ändert.

        Muschelaffe aus dem "Grottenhaus" des Schlossparks Veitshöchheim, 1772/73.
 Eine Rokoko- Groteske 




>>L´image de Pierre<< (Steinfernseher) und  >>Support des Rêves<< (Traumverstärker), sind Arbeiten des Künstlerpaares Anna Kubach-Wilmsen und Wolfgang Kubach, deren Skulpturen, zusammen mit den Werken der nächsten Generation Livia Kubach und Michael Kropp, sowie wechselnden Gastkünstlern, oberhalb von Bad Münster am Stein von der Fondation Kubach-Wilmsen augestellt werden. - Das Steinskulpturenmuseum mit Parkgelände, direkt  gegenüber dem Ryolith-Monolithen des Rotenfels und der Ebernburg, wurde 2010 eröffnet. Die Gebäude und Außenanlagen gestaltete der japanische Architekt und Künstler Tadao Ando.  




Graffiti der argentinischen Künstlerin Milu Correch
"Los Hombres Son Cómplices De Cuanto Son Indifferentes"
 Theodor-Heuss-Brücke, Mainz-Kastel, Juni 2013







Mittwoch, 9. Oktober 2013

Leptoglossus occidentalis



Leptoglossus occidentalis, die Amerikanische Kiefern- oder Zapfenwanze, ist ein noch recht harmloser Pflanzensaftsauger an Nadelgehölzen, der sich aus seinen Ursprungsgebieten in Kalifornien, Oregon und Nevada sehr rasch um die ganze Welt ausbreitet.

Freitag, 7. Juni 2013

Anne Will - Die Rüstungsindustrie talkt heimlich mit.

Blog zum heraufziehenden Jahrhundert der Kampf- und Aufklärungsdrohnen, das derzeit einen Beschaffungswahn weltweit auslöst. 

Drohnen sind nicht nur durch das gescheiterte Rüstungsprojekt der Bundeswehr in aller Munde. Nein, Drohnen gibt es für alle Bereiche, besonders für Medienauftritte und das Networking im Umfeld der politischen Entscheidungsträger, sind sie der neue Arm des Rüstungslobbyismus, weil sie so harmlos neutral daher fliegen.

Eine der einflussreichsten Organisationen, sie vertritt die Interessen von ca. 50 der wichtigsten IT-, Kommunikations- und Wehrtechnik-Firmen dieser Welt, ist die NCOIC,das
Network Centric Operations Industry Consortium. - Der Chef deren Berater-Boards ist der pensionierte Bundeswehr Inspekteur und Ex-NATO Militärauschuss-Vorsitzende, Harald Kujat.

Christoph Leusch

Aus der veröffentlichten Selbstdarstellung des Konsortiums:






Dienstag, 21. Mai 2013

Freitag, 12. April 2013

"Stockfehler"-Mensch, Schirrmachers "Ego"


  "Stockfehler"- Mensch, Schirrmachers "Ego"
   Zum gleichnamigen Artikel auf dem Server des dF, hier einige Fotos aus dem ehemaligen
   Karmeliterkloster zu Frankfurt am Main. Dort waren 2012 jüngere Arbeiten der Metall- und
   Objektkünstlerin E.R.Nele, das ist  Eva Renée Nele Bode, ausgestellt.  


Chained, 2010



Prinzessin, 2009

 Yesterday & Tomorrow, 2010/11


Die drei von der Baustelle, 2012, nicht Nele